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Astronomie auf Gottsuche (2021)

Nach über zwei Jahren "Corona"-Pause fand zu diesem Thema wieder ein Wochenende vom 5. - 7.11.2021 in unserem Gästehaus statt. 16 TeilnehmerInnen fanden sich im Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach zusammen mit den Leitern Uwe Schultheiß und P. Christoph Gerhard. Die Beweggründe für die Teilnahme am Kurs waren vielschichtig und die Erwartungen hoch - besonders an die Wetterbedingungen für eine astronomische Beobachtung. Erfahrungen und Meinungen der Angereisten zu diesem Thema spannten einen weiten Bogen. Wichtig war der Leitung auf alle Fälle die Flexibilität der Kursmodule, um verschiedene Angebote wie z. B. die Himmelsbeobachtung zu ermöglichen und Fragen der KursteilnehmerInnen zu beantworten.

Aufgrund beiden voneinander sehr verschiedenen Bereiche von Naturwissenschaft und Glaube gingen wir während des Wochenendes im Rahmen des Kursprogramms in Schritten vor, die sich immer wieder auf die eine oder andere Seite stellten. Da war einmal der Bereich der Naturwissenschaft und Astronomie im Fokus, dann galt es Wege des Glaubens zu beschreiten. Die Verbindungslinien zwischen beiden Bereichen menschlicher Erkenntnis wollten aber auch immer wieder mit in den Blick genommen werden.

Einer der schönsten Ausgangspunkte für das Thema war die Faszination des Sternenhimmels, der selbst immer wieder begeistert. Bilder des Sternenhimmels, aufgrund astronomischer Aufnahmen von P. Christoph oder Zeichnungen von Uwe Schultheiß zogen die Betrachter unmittelbar in ihren Bann. Leider waren am ersten Abend, nach einem kurz offenen Sternhimmel, die Wolken wieder aufgezogen, sodass die Eindrücke von der Leinwand zunächst genügen mussten. Uwe Schultheiß präsentierte darauf die Vorgehensweise naturwissenschaftlicher Forschung. „Was ist Wissenschaft?“ lautete das Thema seines Vortrages. Objektivität, das Sammeln von Daten, das Aufbereiten, Sortieren und ein System bringen, die Theoriebildung und dann die anschließende Verifizierung oder besser Falsifizierung gefundener Naturgesetze und der dazu gehörigen Hypothesen wurden hier näher erläutert.
Mit einem Psalmengebet wurde der Kursbeginn beschlossen.

Am nächsten Morgen ergänzte P. Christoph, nach einem kurzen Rückblick auf den voran gegangenen Abend, die Sichtweisen und Zugangsweisen zur Methode des Glaubens und zur Gottsuche. Die lange Geschichte der Astronomie, die lange Zeit Hand in Hand mit dem Glauben in der Menschheitsgeschichte ging, zeigt wie ähnlich beider Wurzeln sind. Bei aller heutigen Verschiedenheit, verbindet Astronomie und Glaube viel miteinander. Anhand des schönen Beispiels, das er demonstrierte - das Bild „Die Erschaffung Adams“ aus der Sixtinischen Kapelle – konnte er die Gruppe für die differente Zugangsweise des Glaubens demonstrieren: es geht zu allererst um Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Uwe Schultheiß brachte hierauf die Möglichkeiten und die Grenzen unserer Wahrnehmung ins Spiel. Das Zeichnen eines Steines ließ jeden selbst erfahren, wie schwierig Wahrnehmung ist und wie subjektiv die Ergebnisse der je eigenen Darstellung war. Dabei spielte die eigenen Perspektive eine große Rolle. Optische Täuschungen und ihre Macht zeigten die Komplexität menschlicher Wahrheitsfindung auf. Er stellte heraus, dass, je nachdem worauf wir „fokussiert“ sind, auch die „Ergebnisse“ verschieden erscheinen. Wissenschaftsergebnisse sollten hier auch kritisch hinterfragt werden.

Danach blickten wir auf das Standardmodell der modernen Kosmologie und eines immer weiter expandierenden Weltalls. Angefüllt mit kalter, dunkler Materie und der expansiv wirkenden dunklen Energie. Die Frage nach dem Davor und Dahinter folgten und konnte nicht bis zum Ende diskutiert werden, denn dabei kamen auch unsere Gottesbilder und die Frage nach der Schöpfung ins Spiel.

Den Nachmittag verbrachten die Teilnehmerinnen, um sich mit drei ausgewählten Schöpfungsberichten der Bibel auseinanderzusetzen: Genesis 1, Genesis 2 und Johannesevangelium 1, Prolog. In Einzel- und Gruppenarbeit wurden die Texte lebendig in ihren Aussagen, Fragwürdigkeiten und ihrer Differenz zu einem naturwissenschaftlichen Bericht. Im Plenum wurden die Texte miteinander besprochen, und unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen augestauscht.

Die Zeit bis am Abend wurde genutzt, um die Funktion einer drehbaren Sternkarte zu erklären und die Möglichkeiten moderner Planetariums-Software zu erklären.

Das Highlight des Wochenendes folgte nach dem Abendessen in einem Beobachtungsfenster auf die Planten Jupiter, Saturn und auf den Kugelsternhaufen Messier 15. Vor Jupiter konnte auch sein Mond Callisto beobachtet werden Dieser reflektiert nur 15% des einfallenden Lichtes und stand deshalb wie ein dunkler Schatten vor der hellen Wolkendecke Jupiters. Die Luftruhe war beeindruckend - leider aber auch das abrupte Ende, das uns der Nebel unserer Beobachtung bereitete. Innerhalb kürzester Zeit waren wir in einer feuchten, undurchsichtigen Hülle zu den Sternen eingehüllt und die meisten beschlossen den Abend in der Kellerbar.

Nach dem Sonntagsgottesdienst startete die Seminargruppe mit einer Achtsamkeitsübung. Absichtslose Wahrnehmung im Gegensatz zu konzentriertem Fokus auf die Schöpfung und das Universum schuf einen weiteren Brückenschlag zwischen Glaube und Wissenschaft. Uwe Schultheiß öffnete die Teilnehmer für diese Zugangsweise, die in der heutigen medialen und schnelllebigen Zeit ohne „Ruhepausen“ oftmals verloren geht.

Klostersternwarte AstronomieGottsuche2021 Achstsamkeit

Eine Atemmeditation ermöglichte P. Christoph den Teilnehmern erfahrbar zu machen, wie jeder Mensch, jedes Lebewesen und die Natur mit der Schöpfung und mit dem Universum verbunden ist. Zusammenfassend erklärte die Übung: „Wir sind Teil der Schöpfung und 'atmen' buchstäblich das Universum“.

Der Kurs mit seinen sehr interessierten Teilnehmern war für alle intensiv und erfüllend. Manche Fragen blieben offen. Dennoch verbanden sich Astronomie und Glaube für jeden Kursteilnehmer auf je eigene Weise. In jedem Fall hatte sich am Ende unseres Wochenendes die Verbindung von Astronomie und Glaube vertieft und Berührungspunkte waren für alle besser erkennbar.

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