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Beobachtungsnächte in der Altmark

Man hört ja von vielen schönen, dunklen Flecken in Deutschland, aber von der Altmark hatte ich bislang nichts erfahren. Sie liegt grob beschrieben in einem Dreieck nördlich von Magdeburg und östlich von Wolfsburg bei Salzwedel (Westen), Seehausen (Osten), Bismarck (Süden). In jedem Falle ist es ab von den wenigen größeren Ortschaften sehr dunkel.

Sowohl am Morgen des 27.7.2020 als auch am 29.7. schätzte ich die visuelle Grenzgröße auf 6,5 mag oder gar besser. M33 war mit bloßem Auge bei direktem Sehen zu erkennen und Uranus fand ich auch ohne optische Hilfsmittel bei gerade mal 30° Höhe! Schätze mal die SQM ≈ 21,7 mag/"^2, denn die Milchstraße war differenziert mit ihren Dunkelwolken bis knapp über dem Horizont und Aufhellungen am Horizont waren fast nicht zu erkennen. Einzig "störend": die wenig tief stehende Sonne Ende Juli. Astronomisch wurde es eigentlich nicht Nacht!

Zunächst etwas zu den Planeten. Saturn, Jupiter, Mars profitierten vom Seeing der ersten Nacht. Sie stehen gefühlt um einiges tiefer als in Franken, was ja auch tatsächlich stimmt mit 3° geringerer Höhe! Die Cassini-Teilung rings um bei Saturn war nur am 27.7. zu sehen. Der GRF hat m.E. nach an Farbe wieder gewonnen und die Wolkenbänder waren gut mit Einzelheiten versehen. Bei Mars waren neben der Polkappe doch einige Einzelheiten der dunklen Oberfläche zu entlocken. Im nördlichen Bereich meinte ich eine bläuliches Schimmern zu sehen (ein aufkommender Sandsturm?). Uranus ist leider nur als blaues Scheibchen zu erkennen, den ich aber mit bloßem Auge erkennen und mit dem Leuchtpunktsucher anfahren konnte! Mehr als 200x war bei meinem 10" Dobson leider nicht drinnen.

Der Komet C/2020 F3 Neowise, war schon mit seinem hellen Kopf in der späten Dämmerung zu erkennen. So bald der Mond untergegangen war, sah ich den Schweif sicher auf einer Länge von 3°-4° hinaus ragen. Fotografisch war mit einem 35 mm - 70 mm Zoom noch mehr zu erreichen.

DeepSky habe ich aus Gründen der kurzen Nächte nicht so vertiefen können, wie ich es gerne getan hätte. Aber alleine entlang der Milchstraße mit dem Sternenbett im Hintergrund war voller Nebel, was ich so noch nie wahrgenommen habe. Für einige Einzelobjekte reichte es aber doch.

Messier 11, der Wildentenhaufen bekam eine ganz neue Bedeutung für mich in der zweiten Nacht bei unruhiger Luft: bei 200x Vergrößerung waberten über 100 Sterne gemeinsam durch das Okular von Ost nach West, wie ein Schwarm ziehender Vögel!

M 13, der deutlich zu sehen war mit dem bloßem Auge, stand bei 200x regelrecht Format füllend im Okular. Die dunklen Wege im Sternhaufen mit den Sternarmen machten aus dem Kugelhaufen, der bis ins Zentrum aufgelöst mit Sternen versehen war, für mich wieder den Eindruck eines Harlekinkopfes. NGC 6207 wurde gleich mitgenommen und fiel durch ihre längliche Größe auf!

M 16 als Adler war wunderschön zu erkennen, mit dem Nebel tat ich mir wie immer etwas schwerer. M 17 als nebeliger "Balken" mit Fortsatz stand schon im Haselbusch des Gartens, wie auch die bekannten tieferen Milchstraßenobjekte. Das war der Nachteil des nördlichen Beobachtungsplatzes!

Mit M 27 vertat ich mich am Anfang mit den Sternen beim Einstellen - es waren einfach zu viele! Dann kam aber der Hantelnebel schön mit seinen "Ohren" im Bildfeld heraus. Verschiedene Verdichtungen ließen den Nebel bei 200 x nicht nur als Fläche erscheinen. Eingesprengt waren neben dem Zentralstern auch noch weitere Sterne in den - und jetzt weiß ich nicht, ob ich mir das eingebildet habe - grau und grünblauen Nebelpartien. Vor allem am oberen Nebelrand kam eine rötliche Färbung zum Vorschein. Super Eindruck!

M 31 stand nach Mitternacht schon als fast Daumen langes Objekt hoch am Osthimmel (von Uwe wissen wir ja: ein Daumen sind ca. 6°). Die Spiralarme mit ihren Dunkelpartien waren im Okular bei 35x ein Genuss, nebst den Begleitgalaxien wunderschön! Kugelsternhaufen wurden allerdings nicht weiter vertieft.

M 33 war schon im direkten Sehen zu erkennen. Am Anfang hatte ich mit dem großen Nebelfleck im Okular ein kleines Problem: die Frage war spontan, wo geht es da genau jetzt weiter? Dann aber waren zwei, drei Spiralarme ohne weiteres mit ihren Einzelobjekten zu verfolgen. Im Süden lag der Bogen dreier 12 mag Sterne als Wegweiser, im Norden sticht NGC 604 gleich hervor. Links und rechts von diesen Zeichen wurde ich mit etwas geduldigem Sehen fündig.

M 57 war schnell zwischen den hinteren Leiersternen gefunden. Eps Lyr ließ sich im übrigen mit dem freien Auge ohne Hilfsmittel in seinem großen Abstand von 3,5' trennen. Der östliche 12,8 mag Stern war locker zu sehen. Im Norden fand ich drei Sterne, die mit 14,2 mag, 14,9 mag und schwächer angegeben werden. Insofern könnte es sein, dass ich mir den Zentralstern am 26.7., als das Seeing durchaus brauchbar war, nicht eingebildet habe! Immer wieder blitzte da etwas in der Mitte auf.

M 71 zeigte sich als dreieckiger Kugelsternhaufen gut aufgelöst. In der Mitte sticht ein hellerer Stern hervor, der wahrscheinlich gar nicht zum Haufen selbst gehört.

M 74 die Galaxie in den Fischen wurde nach Uranus angefahren. Mit eta Pis gibt es einen einfachen Wegweiser. Im Westen stehen zwei 13 mag Sterne auf deren Richtung ich den südlichen Spiralarm identifizieren konnte. Mit den nördlichen Spiralarm(en) tat ich mich allerdings schwer.

NGC 6960 & Co, der Schleiernebel war ohne jeglichen Filter ein auffälliges Objekt. Um 52 Cyg fiel gleich der schmale, längliche Nebelteil auf. Selbst bei 35 x und 2° Bildfeld war die Größe es gesamten Nebels beeindruckend. Der östliche Teil stand als zweiter Teil als ein großer Bogen im Gesichtsfeld mit der Knochenhand am südlichen Ende. Selbst das nord-westlich gelegene schwache Dreieck von Gasfetzen war zu erkennen!

NGC 7000 der (Nord-)Amerikanebel zeigte sich mir in seinen helleren "Mexiko"-Teil, oder mit der "großen Wand", wie er auch bezeichnet wird. Zum Deneb hin liegt eine Sternformation, die mit Orion Ähnlichkeit hat. Die ausgedehnten Nebelteile waren allerdings durch die vielen, vielen Sterne eher unscheinbar für mich. Da fehlte wohl tatsächlich ein UHC- oder Ha-Filter, um die Sterne abzudämpfen.

Das nächtliche Naturerleben rundete noch die wunderschönen Nächte ab: die benachbarten Pferde machten ab und zu ihre Runde in der dämmrigen Nacht und schienen sich noch das letzte Futter zu gönnen. Fledermäuse drehten über mir die Runde und verscheuchten leider nicht die blutsüchtigen Fliegen. Die Katze kam mehrfach maunzend in der Nacht vorbei, machte aber keine Anstalten durch das Okular blicken zu wollen. Und einige weitere, für mich undefinierte (Vogel?)-Laute waren zu vernehmen. Einzig die Kühle war erinnerte mich daran, dass ich nicht in Franken war: 8°C ist für eine Julinacht etwas untertemperiert!

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