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Der ausgespannt das Sternenzelt (1)

Immer wieder finden sich Bezüge zur Schöpfung und den Schöpfer in den Gebeten, den Psalmen und Gesängen des benediktinischen Chorgebetes. Deshalb haben sich Mirjam Kämpf OSB (Benediktinerinnenabtei St. Hildegard) und Christoph Gerhard OSB zusammen getan, um diesen Schatz in den lateinschen und deutschen Hymnen zu heben. Der Text ist in der Benediktinischen Zeitschrift Erbe und Auftrag in den Heften 2/20 und 4/20 abgedruckt und wird hier abschnittsweise veröffentlicht.

 Link zu Erbe und Auftrag

I. Einleitung

1. Frühchristliche und benediktinische Wurzeln

In vielen Hymnen des benediktinischen Chorgebetes kommen Bezüge zur Schöpfung und dem Kosmos vor. Eine kleine Untersuchung der gesungenen Hymnen im Chorgebet der Mönche und Nonnen im Laufe des Jahres zeigte,[i] dass sich in einem Großteil der gesungenen Hymnen Anklänge an den Schöpfer und die Schöpfung finden! Dies geschieht nicht ohne ein Motiv dafür. Benedikt gibt in seiner Regel den Hintergrund für das sieben-fache Lob der Mönche: „Zu diesen Zeiten lasst uns also unserem Schöpfer den Lobpreis darbringen wegen seiner gerechten Entscheide“ („Ergo his temporibus referamus laudes Creatori nostro super iudicia iustitiae suae“).[ii] Im abschließenden Kapitel zur Psalmenordnung „Von der Ehrfurcht beim Gebet“ wird der „Herr, Gott des Weltalls“ (Domino Deo universorum)[iii] als Adressat des gemeinsamen Gebetes genannt. Deshalb ist Demut und Ehrfurcht im gemeinsamen Gebet die angemessene Haltung ihm gegenüber. Am Ende seiner Regel weist Benedikt auf die Tradition der Väter hin, wie sie uns mit ihren Schriften den geraden Weg zeigen, „auf dem wir zu unserem Schöpfer gelangen“ („recto cursu perveniamus ad creatorem nostrum“)[iv].

Wenn es also um den Lobpreis des Schöpfers in den Gebetszeiten geht, und das Ziel des mönchischen Weges der Schöpfer selbst ist, dann kann die Schöpfung nicht ungenannt bleiben im gemeinsamen Gebet der Mönche. Die Psalmen haben überaus zahlreiche Anklänge an die Schöpfung. In ihnen lobt die Schöpfung ihren Schöpfer dafür, dass er sie ins Dasein gerufen hat und darüber hinaus die Israeliten Gott dafür, dass er ihnen das Gesetz gegeben hat als Richtschnur zu einem gelingenden Leben und sie immer wieder in der Geschichte erlöst hat, von ihren Feinden und trotz all ihrer eigenen Abirrungen und Abfall von Gott.[v]

In frühchristlicher Zeit war die Anlehnung an die Psalmen und die Bibel unabdingbar, denn aufgrund der zahlreichen häretischen Gesänge wurden frei gedichtete Hymnen offenbar ab Ende des zweiten bis in das vierte Jahrhundert hinein aus dem Gottesdienst verbannt. In Rom waren Hymnen bis ins 12 Jhd. verpönt und aus dem Gottesdienst ausgeschlossen worden.[vi] Es „war in der Tat Ambrosius, der im lateinischen Westen dem Neubeginn die entscheidenden Impulse verlieh und eine Liedform schuf, die auf Jahrhunderte normativ bleiben sollte.“[vii] Diese Gesänge waren für Benedikt jedoch schon so populär und von so großem Gewicht, dass er sie immer wieder in seiner Regel als Bestandteil der verschiedenen Gebetszeiten erwähnt. Alleine viermal findet sich die Wendung „ambrosianischer Hymnus“ („ambrosianum“)[viii] in den Kapiteln über den gemeinsamen Gottesdienst.

Ambrosius und seine Lieddichtungen wurden zum großen Vorbild in der Westkirche bis in die Reformation hinein. So stehen auch die Hymnen, die seither und bis in unsere heutige Zeit hinein entstanden sind, noch immer spürbar in dieser Tradition.

2. Vielfalt der Hymnen

Wer allerdings jetzt eine gewisse Uniformität in den Hymnen und ihren Umgang mit dem Thema der Schöpfung und ihrem Schöpfer vermutet, wird enttäuscht werden. Es gibt keine durchgängige Theologie oder auch durchgängige Absicht durch das Aufgreifen ausgewählter Themen und Bilder aus der Schöpfung in den Gesängen des Chorgebets. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, können folgende verschiedene Gründe angeführt werden.

Die Hymnen der Monastischen Antiphonale oder der Hymnare sind in unterschiedlichen Zeiten über die Jahrtausende entstanden. Daraus ergibt sich von selbst, dass sie von unterschiedlichen Dichtern mit ihren unterschiedlichen Interessen und Bezügen gestaltet wurden. So wurde aus unterschiedlichen Hintergründen und Theologien gedichtet, die den Reichtum der Tradition widerspiegeln. Die Auswahl der Hymnen geschah bei Festen und Festzeiten thematisch und auf ihren Anlass bezogen, was weitere Gesichtspunkte und Perspektiven einbrachte, die ihre Buntheit unterstützte. Hinzu kam dabei noch das Ineinander im Kirchenjahr von verschiedensten Aspekten: Festkreisen (Weihnachten, Ostern, Jahreskreis), Ideenfesten (Dreifaltigkeit, Fronleichnam, Herz-Jesu, Christkönig) und Heiligenfesten und Gedenktagen.

In all dem spiegeln sich die fast unendliche Vielfalt und der Reichtum christlicher Lieddichtung. Hymnen folgen nicht einem Thema, sondern zeigen die vielen Facetten des Glaubens und besingen sie in wunderschönen Gesängen. Dabei steht die Schöpfung und das Lob des Schöpfers oft als Ausgangspunkt am Anfang. Dann folgen in den weiteren Strophen die besonderen Umstände und Bezüge des Gesanges. Meist sind es soteriologische Aspekte, die angesprochen werden.

In dieser Untersuchung werden die Hymnen des Benediktinischen Antiphonale[ix] und des Psalteriums der Abtei St Hildegard [x] vom Blickwinkel auf verschiedene Motive der Schöpfung, der Natur und des Kosmos hin betrachtet. Der überaus kreative Bilderreichtum der Hymnendichtung aus Jahrhunderten wird dabei deutlich. Dabei holt das Benediktinischen Antiphonale auch Hymnen mit ins Singen des monastischen Chorgebets, die nur in einer deutschen Fassung vorliegen. Notwendigerweise muss es aber auch deshalb einen Teil des reichen lateinischen Hymnenschatzes ungenutzt lassen, der hier im zweiten Teil nicht unerwähnt bleiben soll. Zudem bereichert gerade die lateinische Quelle, die hinter vielen deutschen Hymnen steht, das tiefere Verständnis des jeweiligen Gesanges. Jede Übersetzung muss eine Interpretation bleiben, die in der Gefahr steht, den ursprünglichen Sinn auf ihren jeweiligen Blick zu verengen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die sich entsprechenden Texte, wo es möglich war, in Deutsch und Latein zusammen zu stellen.

 

[i] Die absolute Gewichtung im Laufe eines Jahres hängt davon ab, wie viele Tage mit eigenem Offizium gesungen werden.

[ii] Regel Benedikts 16,5 (RB).

[iii] RB 20,2

[iv] RB 73,4

[v] Ps 119 (Ps 118) ist generell das Lob des Gesetzes; im Ps 78 (Ps 77) wird die Geschichte Isarels bis David erzählt auf dem Hintergrund der der Satzungen Gottes; ganz kurz hingegen macht es Ps 147,19f (Ps 147, 19f).

[vi] Georg Holzherr, Die Benediktsregel, S. 139.

[vii] Alexander Zerfass, Mysterium mirabile, S. 1.

[viii] RB 9,4; RB 12,4; RB 13,11; RB 17,8

[ix] Benediktinisches Antiphonale Band I – Band III, Münsterschwarzach.

[x] Psalterium Lateinisch – Deutsch, Abtei St Hildegard, Eibingen, Freiburg im Breisgau 1990.

 

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