Tiefer Blick in das Sternbild Schwan
Das Sternbild Schwan wird oft als das Kreuz des Nordens bezeichnet, aufgrund seiner Form eines lang gestreckten Kreuzes. Der eigentliche "Hingucker" ist allerdings die fein gegliederte Milchstraße, die wir dort bewundert werden kann. In mondlosen, dunklen Nächten, fernab von störender Beleuchtung ist der Schwan einer der schönsten Objekte am Sommerhimmel!
Prominent in unserem Bild ist rechts oben der Nordamerikanebel zu finden. Durch die ihm umgebende Dunkelwolke zeichnet sich das Gebilde deutlich ab, vor allem im Bereich des "Golf von Mexico". Der Pelikannebel steht in unmittelbarer Nachbarschaft weiter unten. In der Verlängerung ist leuchtet Deneb als heller, blauer Stern. (Bild kann mit rechter Maustaste und "im neuen Tab öffnen" vergrößert werden)
Zur Bildmitte hin schließt sich eine große Dunkelwolke an, die auch als nördlicher "Kohlensack" bezeichnet wird, da er das Band der Milchstraße unterbricht und kaum das hinter ihm liegende Sternenlicht hindurchlässt. In der Bildmitte sind prominent die Nebel um gamma Cygnis zu sehen: IC 1318, der Schmetterlingsnebel mit seinen verschiedenen Teilen.
Der unscheinbare Sternhaufen Messier 29 ist weiter links von der Bildmitte zu finden. Darunter, wieder inmitten dem Band der Milchstraße, findet sich der Sichel-Nebel NGC 6888 fällt wegen der ihm umgebenden Sternwolke kaum auf. Er ist als leicht gebogene Form zu erkennen. Wenn wir der Milchstraße nach weiter unten über die Dunkelwolken hinweg nach links folgen, fällt nochmals ein rotes Gebiet auf: Es ist der Tulpennebel.
Ein prominentes Objekt im Schwan darf nicht vergessen werden: Der Schleiernebel oder Cirrusnebel. Er fand gerade noch am oberen linken Bildrand ins Bild. Er ist das Echo einer Supernova-Explosion die vor über 10.000 Jahren stattfand. Vom damaligen Überrest fehlt bislang jede Spur, aber die Schockwelle, die das Ereignis auslöste, ist an dem erwärmten Gas im interstellaren Medium zu sehen. Sie leuchtet in rot und blau und hervorgerufen vor allem durch Wasserstoffwolken der Milchstraße. Aber auch anderen Elemente sind dort zu finden.
In dieser Kurzbeschreibung sind nur die hellsten Objekte verzeichnet. Wer mag, kann mit dem Bild auf weitere Erkundungstour im Sternbild Schwan gehen. Ralf Mündlein schrieb im Forum Stellarum: "Die große Übersicht zeigt, dass H-alpha Rot im Schwan zwar sehr verbreitet ist, aber eben doch begrenzt ist. Bei längeren Brennweiten baadet man ja im roten Meer, gut auch mal die Küste zu sehen!"
Das Bild wurde in drei Nächten mit einem Objektiv von 90 mm Brennweite belichtet. Dabei ging einiges schief: In der ersten Nacht stimmte der Filter nicht, sodass die Sterne hässliche Magenta-Höfe bekamen. In der zweiten Nacht wurde die Schärfe nicht richtig getroffen. Erst in der dritten Nacht stimmte alles. So kamen zwar 516 Minuten an Belichtungszeit zusammen, aber nur 210 Minuten waren wirklich gut. Für den rauschärmeren Hintergrund wurden alle Daten verwandt. Für die Sterne und die Nebel nur die besten Aufnahmen ausgwählt.
Zum Sternbild Schwan selbst noch einige Hinweise: Das Haupt des Kreuzes ist der hellste Stern Deneb, der Fuß ist Albireo, die Mitte der dritthellste Stern gamma Cygni, und die beiden Arme werden von den nächst hellen Sternen delta und epsilon Cygni markiert. Bildlich gesprochen fliegt der Schwan von Nord nach Süd. In unserem Bild ist der zentrale Teil des Schwanes zu sehen mit seinen vielen Sternwolken, Sternhaufen, roten Wasserstoffnebel und den Dunkelwolken, die auch visuell am markantesten unseren Auge bei einfacher Beobachtung auffallen.