Automatische Nachführung der Kuppel eingebaut
Seit fast sieben Jahren steht schon die Kuppelsternwarte auf dem Gelände der Abtei Münsterschwarzach. In dieser Zeit konnte aber die Kuppel nur halb-automatisch der Teleskopsteuerung folgen. Dies ist nun Dank der Mithilfe einiger Freunde gelungen.
Schon vor einigen Jahren hatte mein Freund Georg aus den Tagen des Elektrotechnikstudiums dazu geholfen, dass die Kuppel über ein kleines Programm auf dem Computer gesteuert werden konnte. Über die Eingabe des Stundenwinkel (im Süden ist die Kulmination bei 12:00 Uhr) und der Deklination des Objektes. Daraus errechnete sich der Azimuth-Winkel (definiert die Richtung in der Horizontalen von Nord über Ost, Süd, West und wieder zurück nach Nord in einem Vollkreis von 360°) und der Höhe über dem Horizont. Mit ein wenig Mathematik, die ich liefern konnte, programmierte Georg eine Relais-Einrichtung, die den Motor der Kuppel über einige Stunden richtig steuerte. Auf diese Weise passte sich die Position des Kuppelspaltes dem Teleskop für einige Stunden automatisch an, so lange die Rektaszension nicht verändert wurde.

Als Tobias im Frühjahr 2025 in meiner Sternwarte war, hatte er spontan die Idee, die Kuppel mit RFIDs auszustatten, die berührungslos bei der Drehung der Kuppel von einem RFID-Leser gelesen werden. Mit einer Schnittstelle zur Astronomie-Software des Computers wäre damit eine automatische Positionierung der Kuppel mit dem Teleskop möglich. Die fragliche Schnittstelle gab es schon: ASCOM macht es möglich, dass alle mögliche astronomische Hardware vom Computer aus gesteuert wird und selbst Informationen an die Software zurück gibt für weitere Befehle.
Nach den ersten Versuchen wurde die Kuppel mit sogenannten Karten-RFIDs ausgestattet. Sie ließen dem Lesegerät lange genug Zeit, die Information aus dem vorbeifahrenden RFID zu lesen, wenn sich die Kuppel mit dem RFID an ihm vorbei drehte (sie ist schneller gedacht!). Der RFID-Leser wurde an einem vorhandenen Winkel in der Kuppel fachmännisch befestigt. 😉

Die Software-Erweiterung von Tobias rechnete aus dem Kuppeldurchmesser und der gewünschten Auflösung automatisch die nötige Anzahl der RFIDs und deren Platzierung an der Kuppel aus.

Ich musste sie also nur an dem gewünschten Platz in der drehbaren Kuppel ankleben.

Die Anbindung an das Astronomie-Steuerungsprogramm NINA geschieht via ASCOM-Schnittstelle, die Tobias programmiert hat. NINA selbst bringt die komplette Kuppelsteuerung im Zusammenhang mit der Teleskopsteuerung mit sich. Wenn das Teleskop via DeviceHub in ASCOM gesteuert wird, kann parallel das Teleskop auch in einem Planetariumsprogramm (SkyChart, Stellarium...) gesteuert werden. Das ist besonders cool: im Planetariumsprogramm ein Objekt suchen, Teleskop positionieren und die Kuppel fährt via NINA dem Teleskop hinterher!

Ansonsten führt NINA die Kuppel dem Teleskop während seiner zeitlichen Drehung nach.
Die Belichtung von mehreren Objekten in einer Nacht ist so ein Kinderspiel - oder auch Langzeitbelichtungen über verschiedene Nächte.
Die Feineinstellungen in NINA helfen auch noch dazu, dass mehrere Teleskope durch den Kuppelspalt schauen können, ohne dass eines in die Kuppel blickt, sondern den Durchblick durch den Kuppelspalt behält.
Eine kleine Simulation bei Tage bei geschlossener Kuppel: 
Der Link zur Website von NINA: https://nighttime-imaging.eu/

