NGC 6229 - Kugelsternhaufen im Herkules

Generell hat man es schwer aufzufallen, wenn man neben großen, bedeutenden Nachbarn wohnt. So geht es den Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules: neben Messier 13, „dem Kugelhaufen" am nördlichen Sternhimmel schlechthin, bleiben Messier 92 und NGC 6229 als weniger helle und große Vertreter oft unerwähnt. Zu Unrecht wie ich meine.

Im nördlichen Bereich des Sternbildes Herkules, etwas nord-westlich von Messier 92 ist unser Kugelsternhaufen zu finden. Mit etwa 5 Bogenminuten Durchmesser ist er wesentlich kleiner als seine großen Kollegen.  Im Cambridge Atlas des New Great Cataloge ist er mit „a globular cluster, very bright, large, round, disc and faint border, mottled but not resolved" beschrieben. In etwa als "ein Kugelsternhaufen, sehr hell, groß, rund, eine Scheibe mit schwacher Rand, gesprengelt aber nicht aufgelöst".

Die Tatsache, dass bei einer visuellen Beobachtung mit einem Teleskop, der Rand nicht in Sterne aufgelöst werden konnte, hat offenbar einige Beobachter dazu veranlasst, statt eines Sternhaufens einen sogenannten Planetarischen Nebel zu sehen. Denn die flächige und nicht auflösbare Erscheinung lässt auch eine andere Interpretation zu, da keine Einzelsterne sichtbar sind! Dann ist es kein Sternhaufen, sondern ein erloschener Stern! Die Fotografie beseitigte aber jeden Zweifel über die Natur von NGC 6229.

 

 NGC 6229

NGC 6229 ist sehr weit von uns entfernt für einen Kugelsternhaufen unserer eigenen Galaxie: es sollen 100.000 Lichtjahre sein! Damit steht er für uns praktisch am anderen Ende unserer Milchstraße! Es ist die vierfache Distanz zu Messier 13 und Messier 92, die uns von ihm trennt. Das weist ihn damit in Wahrheit als absolut ebenbürtig zu seinen größeren Nachbarn aus: die vierfache Distanz lässt ihn scheinbar viermal kleiner erscheinen. Würde er uns so nahe sein, wie seine kugeligen Nachbarn, so wäre er ähnlich imposant am Himmel zu sehen, wie sie!

Sein Durchmesser beträgt etwa 130 Lichtjahre (viele Sterne an unserem Sternenhimmel, die wir mit bloßem Auge sehen können, haben ungefähr diesen Abstand zu uns auf der Erde). In diesem relativ kleinen Raum sind in NGC 6229 aber Huntertausende von Sternen versammelt, von denen auf dem Bild nicht alle dargestellt werden können, da sie zu schwach für die kurze Belichtungszeit sind. Denn die Gesamtmasse des Sternhaufens soll bei etwa 350.000 Sonnenmassen liegen.

Die drei Kugelsternhaufen im Herkules von links nach rechts: NGC 6229, M92 und M13. Sie wurden, um den Vergleich zu erleichtern, etwa in ihrer tatsächlichen Größe dargestellt. Alle drei Sternhaufen werden mit einer ca. 300.000-fachen Leuchtkraft unserer Sonne in der Fachliteratur angegeben. M13 ist nicht ganz so konzentriert wie M92, der kompakter erscheint. Seine Helligkeit am Himmel ist aber nur unwesentlich gerinnger, als die seines berühmten Nachbarn. Durch die hellen Sterne von NGC 6229, die leider auch durch die Luftunruhe etwas aufgebläht wurden bei der Aufnahme, erscheint dieser lockerer strukturiert, was aber nicht der Wirklichkeit entspricht: er gehört der gleichen Konzentrationsklasse IV, wie Messier 92 an.

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