ROTHENFELSER STERNSTUNDEN 2021

"Gibt es Leben im All" (...über die Erde hinaus), war der Titel der diesjährigen Rothenfelser Sternstunden vom 8.-10.10.2021 - extra Werbung brauchte dafür nicht mehr gemacht werden: sie waren leider schon seit Monaten ausgebucht, und das mit gutem Grund! Geniale Vorträge mit Hinterwitz und -sinn, geniales Wetter zum Sterneschauen und nicht nur gewaltige Fragen, sondern auch Antworten aus der Wissenschaft, Philosophie und Theologie.

Es begann am Freitagabend auf der "Suche nach fernen Welten".
Susanne Hüttemeister und Daniel Fischer erklärten fachkundig die verschiedenen Methoden und ihre Fallstricke der Suche nach Exoplaneten. Im Oktober 1995 wurde der erste Planet beim Stern 51 Pegasi bekannt gegeben. Michel Mayor und Didier Queloz bekamen dafür 2019 den Nobelpreis. Sie wandten die Spektroskopische Methode bei ihrer Suche an: periodische Schwankungen im Spektrum des Sterns zeigten die Anwesenheit eines mehrfach Jupiter-großen Planeten in seiner Nähe an.

Der erfolgreichste Exoplanetenjäger bislang ist der Satellit "Kepler", der leider viel zu kurz abertausende von Sternen im Sternbild Schwan überwachte auf geringe Helligkeitsschwankungen (sogenannte Transitmethode).

Gleich darauf wurde zum ersten Nachtwanderung ins Weltall gestartet. Etwas mehr als einen (vielleicht auch zwei) Kilometer von der Burg entfernt, an einem windgeschützten Ort am Waldrand, hatten Dietmar Mondon und P. Christoph ihre Teleskope aufgebaut: zwei 10" Newton Teleskope auf "Dobson"-Montierung mit einer Äquatorialplattform, die das typischen Dobson-Schubsen ersparte. Hinzu kam noch ein Zeiss-Refraktor bester Güte für die Planeten Jupiter und Saturn und last but not least einige Feldstecher kleinerer und größerer Bauart. Aber nicht nur die großen Gasplaneten durften glänzen: 51 Pegasi, der mit dem bloßem Auge schon sichtbar ist, Kugelsternhaufen, Offene Sternhaufen, Galaxien, ein Super-Nova-Rest und vieles mehr ging durch die Okulare und fesselten die BeobachterInnen. Die Augen glänzten mit den Sternen, wenn es auch feucht und manchmal etwas diesig am Himmel zuging.

Nachtwanderung

Nach einer kurzen Nacht, die ging es am Samstagmorgen mit der Frage weiter "Wie nah sind wir der 'zweiten Erde'?" Mittlerweile sind fast 5000 Exoplaneten bekannt. Aber gibt es auch einen Planeten, der unserer kosmischen Heimat gleicht? Oder wie viele Planeten könnten Leben tragen, liegen also in einem Abstand zu ihrem Stern, der Leben wahrscheinlich sein lässt? Was wissen wir von den Bedingungen für das Leben auf Planeten? Das waren spannende und fragende Momente. Leider fehlt aber noch der harte Beweis einer zweiten Erde. Dafür sind die Teleskope zu klein oder die zur Verfügung stehenden Methoden noch nicht ausgereift. Immerhin gibt es schon von einigen Exoplaneten direkte Bilder.

Benjamin Knispel (MPIA Hanover) ging dann der Frage nach, "wo sind all die Aliens?" die Enrico Fermi gestellt hat, als es in einem Gespräch in der Mittagspause darum ging, ihre Existenz zu beweisen. Wie könnten sich Außerirdische bemerkbar machen oder auf uns aufmerksam werden? Wie könnten Zivilisationen Außerirdischer aussehen? welche Fähigkeiten bräuchten sie, um eine Galaxie zu kolonisieren? Wie und mit welcher Absicht könnten sie zu uns auf die Erde kommen? Wie könnten sie aussehen? - Manche Forscher meinen, dass Leben außerhalb der Erde weit verbreitet sein, andere sind da wesentlich skeptischer, bis hin zu der Aussicht, dass es gute Gründe gibt anzunehmen, dass wir (derzeit) die einzige intelligente Zivilisation im Weltall sein könnten.

Am Nachmittag hatte Dietmar Mondon nicht nur sein 10" Newton Teleskop mit Sonnenfilter in Stellung auf die Sonne gebracht, sondern auch seinen hochauflösenden Spektrographen. Um ihn war immer eine Traube von Menschen (nicht nur aus unserem Seminar!) versammelt, denen er geduldig das Sonnensprektrum, die wichtigsten Spekrtallinien und die Funktionsweise erklärte. Im Newton war die Sonne mit einem dicken Sonnenfleck und kleineren zu sehen, das ab und zu nachgestell werden musste. Absolut packend, wie er die interessiert Zuhörenden in die Eigenheiten des Sonnenlichts einführte!

Noch vor dem Abendessen gab es die Konjunktion von Venus und Mond zu bestaunen. Allerdings tief am Südwesthorizont und beide Himmelskörper waren leider viel zu schnell kurz nach 19 MESZ unter dem Horizont verschwunden.

Am Samstagabend tauchte P. Christoph mit seinem Vortrag "Das Kreuz mit den Aliens" in die Sphären der Philosophie und Theologie ein. Die Brückenköpfe dazu wurden schon am Nachmittag von den anderen Referenten gebaut: die Forschungen zu außerirdischen Bewohnern von Exoplaneten erzählen nämlich ungemein viel über uns Menschen hier auf der Erde! Viele grundlegende Vorstellungen, die sich auch trefflich widersprechen, wurden schon bei den Griechen grundgelegt:
- es gibt nur eine Erde, die bewohnt ist <-> es gibt viele Welten, die bewohnt sind
- das Universum ist räumlich und zeitlich begrenzt <-> es ist unbegrenzt und ewig
Was in der Philosophie gedacht wurde, damit musste sich auch das junge Christentum auseinandersetzen. Es war die Geisteswelt, in das es hineingestellt war. Origenes und Augustinus wurden sich schon nicht einig. Später sprengte schon Nikolaus von Kues den Rahmen der aristotelischen Philosophie und scholastischen Theologie, wenn er die Erde aus dem Zentrum des Kosmos heraushob und sie mit vielen anderen Himmelskörpern gleichberechtigt sah. Ohne Mittelpunkt und bevorzugten Ort war das Universum einzig auf Gott bezogen, der sein Anfang und Zielpunkt war. Giordano Bruno dachte die Unendlichkeitsgedanken von ihm weiter und ließ damit Kopernikus und auch Galilei weit hinter sich. All das geschah aber über philosophischen Spekulationen ohne naturwissenschaftlichen Hintergrund.
Die Frage nach den Außerirdischen muss aber bei allem Nachdenken offen bleiben. Auch die Kirche hat dazu keine fertigen Antworten und schon keine Dogmen gegen Außerirdische, wie es immer wieder behauptet wird. Im Gegenteil: in seinem hintergründigen Humor sagte Papst Franziskus, er würde auch grüne Marsianer taufen, wenn sie ihn darum bitten würden.

Dann zog es uns schon in die zweite klare Nacht hinaus. Da stand auch schon Dietmar Mondon mit seinem Newton-Teleskop und diversen Feldstechern umringt von einer Gruppe Musiker, die auf der Rothenfelser Burg ein Probenwochenende hatten. Unter der am Anfang noch beleuchteten Burg war die Sternenbeobachtung durchaus herausfordernd. Aber mit der Zeit gingen doch die einen oder anderen Scheinwerfer und Lichter aus und gegen Mitternacht war es fast so dunkel wie am Waldrand der ersten Nacht. Lange wurde ausgiebig beobachtet, diskutiert und einfach gestaunt.

Der Abschluss des Seminars war die Philosophen-Matinee am Sonntagmorgen. Bei der ging es noch über zwei Stunden hart zur Sache zu den wichtigsten und ungelösten Fragen. Daniel Fischer brachte es ohne Pause sprechend immer wieder auf den Punkt, Susanne Hüttemeister und Benjamin Knispel beantworteten die offenen Fragen mit großem Sachverstand und Anschaulichkeit. Und auch die Glaubensfragen fehlten nicht und bekamen auch ihre Antworten.
Die wichtigste Frage kam zum Schluß: wann sind die nächsten Sternstunden auf der Burg Rothenfels?

Susann Siegmann von der Burg Rothenfels, die das Seminar mit großem Engagement begleitete, konnte uns den Temin schon bestätigen: 30.9.-2.10.2022 zum voraussichtlichen Arbeitsthema "Strukturbildung im Universum".

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